
Aktuelle Nachrichten aus der Öl-, Gas- und Energiebranche am 2. Dezember 2025: Marktsituation im Öl- und Gassektor, Updates zu erneuerbaren Energien, Geopolitik, Investitionen und wichtige Ereignisse im globalen Energiesektor.
Auf dem globalen Energiemarkt bleibt das Angebot übermäßig, während die Nachfrage verhalten ist und geopolitische Unsicherheiten bestehen. Die Ölpreise bewegen sich um die zweijährigen Tiefststände (Brent ~ 63 $), bedingt durch steigende Bestände und hohe Fördermengen. Die europäischen Gasbestände nähern sich Rekorden, was für den Winterbedarf eine komfortable Situation schafft. Das zunehmende Interesse an „grünen“ Technologien fördert die Modernisierung der Netze und die Einführung von Energiespeichern.
Ölmarkt
- Auf dem Novembertreffen hielt OPEC+ den bisherigen Förderumfang im IV. Quartal 2025 und I. Quartal 2026 unverändert. Diese Entscheidung bedeutet die Fortsetzung des bestehenden Kürzungsplans (etwa 3,2 Millionen Barrel pro Tag) angesichts einer prognostizierten Nachfragerückgangs.
- Die USA fördern eine Rekordmenge Öl (~13,8 Millionen Barrel pro Tag), während die kommerziellen Ölbestände steigen. Der Anstieg der inländischen Bestände in den USA und anderen Ländern dämpft den weiteren Anstieg der globalen Kraftstoffpreise.
- Vorfall in Noworossiysk: Ukrainische Drohnen beschädigten einen der Anlegeplätze der Kaspischen Pipeline (CPC) und verringerten die Öllieferungen in den Hafen. Dieser Vorfall senkte kurzfristig den Export von CPC (~1 % der Weltlieferungen), was zu vorübergehenden Preisschwankungen führte.
- Geopolitik: Die Verhandlungen zu Ukraine bleiben ein entscheidender Faktor. Die Aussicht auf eine friedliche Regelung könnte langfristig die Sanktionen gegen Russland lockern und die Öllieferungen erhöhen. Gleichzeitig bleibt der Risiko neuer Beschränkungen und eine Umstrukturierung der Vermögenswerte eine Unsicherheit in der Branche.
Gasmarkt
- Europäische Bestände: Zu Beginn der Heizsaison 2025/26 sind die Gaslager der EU zu etwa 75–80 % gefüllt, was erheblich über den Durchschnittswerten liegt. Dies verringert das Risiko eines Gasengpasses und hält die Preise auf niedrigem Niveau (TTF ~30 €/MWh).
- Import von LNG: Europa steigert aktiv den Import von Flüssigerdgas. Die Inbetriebnahme neuer Terminals in den USA und Australien sowie die nachlassende Nachfrage aus Asien haben zusätzliche LNG-Mengen für die EU bereitgestellt. Im Jahr 2025 sind die LNG-Ströme nach Europa erheblich gestiegen, was zur Diversifizierung der Lieferungen beiträgt.
- Russische Lieferungen: Russland verlagert den Fokus auf asiatische Märkte. Der Export über "Sila Sibir" nach China steigt, und das Projekt "Sila Sibir-2" wird für 2026 erwartet. Gazprom führt Verhandlungen über die Verlängerung der Verträge mit der Türkei und hält den Export über die "Türkische Strömung" aufrecht. Traditionelle Leitungen nach Europa arbeiten derzeit nur über reduzierte Kanäle.
- Inlandsnachfrage: In Deutschland ist der Gasverbrauch aufgrund des Rückgangs der Wind- und Wasserkraftproduktion erheblich gestiegen. Dies verlangsamt das Füllen der Speicher und erzeugt regionalen Preisdruck, obwohl das europäische System insgesamt die notwendige Einfuhr erhält.
Stromerzeugung und erneuerbare Energien
- Rekordwachstum der erneuerbaren Energien: Erneuerbare Energiequellen fügen Kapazitäten in beispiellosen Raten hinzu. Die Solar- und Windenergieerzeugung in vielen Ländern übertraf erstmals die Wachstumsrate des Strombedarfs, was weltweit zu einer Stabilisierung der CO₂-Emissionen führte. China und die USA bleiben führend im Ausbau „sauberer“ Energie, während Europa schrittweise seine Förderprogramme anpasst.
- Investitionen in Infrastruktur: Nach dem COP30 haben weltweite Energieunternehmen und Regierungen umfassende Finanzierungspläne für die Netzmodernisierung und Energiespeicher angekündigt. Allein die Energie-Giganten haben versprochen, etwa 148 Milliarden Dollar pro Jahr in neue Stromleitungen und Energiespeichersysteme zu investieren, was eine bessere Integration variabler Energiequellen ermöglicht.
- EU-Politik: Brüssel verfolgt weiterhin den Kurs auf energetische Unabhängigkeit. Neue Maßnahmen im Rahmen von REPowerEU sehen einen schrittweisen Importstopp für russisches Gas und Öl bis 2027 vor, die Anforderungen zur Füllung von Gasspeichern wurden bis Ende 2027 verlängert, und die Finanzierung von Projekten zur Energieeffizienz und sauberen Energie wird verstärkt. Darüber hinaus wird der beschleunigte Bau neuer Projekte im Bereich erneuerbarer Energien und der Netzwerke diskutiert.
- Kernenergieprogramm: Trotz des Schwerpunkts auf „grüner“ Energie geben die Länder die nukleare Richtung nicht auf. Ein kürzlich veröffentlichtes EU-Bericht weist darauf hin, dass Investitionen in Kernkraftwerke (Verlängerung der Betriebszeiten und Bau neuer Anlagen) bis 2050 etwa 241 Milliarden Euro erfordern. Gleichzeitig werden Pläne für kleine modulare Reaktoren (SMR) und Wasserstofftechnologien als „Brücken“ zur kohlenstofffreien Wirtschaft entwickelt.
Kohlesektor
- Langfristige Verträge in Asien: Viele Länder im asiatisch-pazifischen Raum sind nach wie vor gezwungen, einen hohen Kohleverbrauch aufrechtzuerhalten. Vor Jahren abgeschlossene Verträge garantieren den Betrieb von Kohlekraftwerken über Jahrzehnte hinweg, unabhängig von der Verfügbarkeit von Wind oder Sonne. Experten schätzen, dass Kohle in Südostasiens nach wie vor einen erheblichen Anteil an der Stromerzeugung hat, obwohl der weltweite Anteil an Kohle allmählich sinkt.
- Globale Trends: Dennoch haben einige große Volkswirtschaften angekündigt, schrittweise auf Kohle zu verzichten. Der chinesische Markt zeigt erste Anzeichen eines Rückgangs der Emissionen dank des Rekordausbaus von erneuerbaren Energien: Im Jahr 2025 sanken die Kohleemissionen zum ersten Mal. Südkorea, Indien und eine Reihe europäischer Länder haben neue Ziele zur Reduzierung des Anteils der Kohleerzeugung und zur Förderung „sauberer“ Energie verkündet.
- Klima-Verpflichtungen: Das endgültige Dokument von COP30 enthielt keine direkte Erwähnung von „Kohle“ (unter Druck der Exportländer), jedoch kündigten einzelne Länder eigene Maßnahmen an. Südkorea zum Beispiel wird den Bau neuer Kohlekraftwerke einstellen und alte Anlagen schrittweise stilllegen. Außerdem wurde auf dem Gipfel ein internationaler Fonds zur Methanreduzierung ins Leben gerufen (Beitrag von 25 Millionen Pfund), was indirekt auf den Übergang zu saubereren Energiequellen hinweist.
Ölprodukte und Raffinerien
- Nachfrageveränderungen: Die Nachfrage nach Ölprodukten verändert sich ungleichmäßig. Dieselkraftstoff und Kerosin erholen sich schneller dank des Anstiegs des Frachtverkehrs und der Wiederaufnahme von Flugreisen, während die Benzinnachfrage langsamer steigt. Diese Neuausrichtung der Nachfrage zwingt Raffinerien dazu, die Produktwirtschaft anzupassen (den Anteil an Dieselkraftstoff und Kerosin zu erhöhen).
- Verarbeitung: Raffinerien in Asien und im Nahen Osten arbeiten fast voll ausgelastet aufgrund des hohen Angebots an Rohstoffen. Dies schafft Zuversicht für den Export von Ölprodukten, hält jedoch die Margen aufgrund eines Überangebots an Rohstoffen konstant niedrig. In Europa wurden Teile von Raffinerien auf die Verarbeitung von Rohöl umgestellt, das nicht unter Sanktionen fällt, aber insgesamt bleibt die Auslastung der Anlagen hoch.
- Sanktionen: Die Beschränkungen für russische Ölprodukte beeinflussen weiterhin das Gleichgewicht. Die EU und die USA haben ein Verbot für den Import von Dieselkraftstoff und Kerosin aus Russland erlassen, was einige Raffinerien dazu zwingt, nach alternativen Lieferungen zu suchen. Diese Maßnahmen halten die Preise trotz eines Überangebots an Rohstoffen stabil, fördern jedoch gleichzeitig Unternehmen dazu, die Entwicklung alternativer Kraftstoffe und die umfassende Verwertung von Nebenprodukten zu beschleunigen.
Unternehmen und Investitionen
- Erkundung und Projekte: Europa lockert schrittweise die Einschränkungen beim Bohren. In Griechenland wurde im November erstmals seit 40 Jahren eine Lizenz für ein Offshore-Gasfeld von Exxon/Energean vergeben, und in Italien und Großbritannien haben die Unternehmen Shell und Chevron Genehmigungen für die Erweiterung bestehender Felder erhalten oder erwarten diese. Diese Schritte reflektieren einen neuen Ansatz zur eigenen Ressourcensuche.
- M&A-Transaktionen: Die Aktivität im Segment ist hoch. So hat das Unternehmen Targa Resources Gastransportanlagen im Perm-Becken für 1,25 Milliarden Dollar erworben, was das Pipeline-Netz in den USA stärkt. Öl- und Energiekaufleute (z.B. Gunvor und Vitol) ziehen in Erwägung, sich an US-Schieferprojekten zu beteiligen, um ihr Portfolio zu diversifizieren und langfristige Kraftstofflieferungen zu sichern.
- LNG-Projekte: Investoren überdenken langfristige Investitionen. Die britische Regierung hat sich geweigert, 1,15 Milliarden Dollar für ein LNG-Projekt in Mosambik bereitzustellen, aufgrund von Sicherheitsrisiken und der Veränderung der globalen Agenda. TotalEnergies bereitet sich auf die Wiederaufnahme der Arbeiten an diesem Projekt vor, jedoch müssen die Zeitpläne und Finanzierungsvolumen überarbeitet werden.
Geopolitik und Regulierung
- Sanktionen und Vereinbarungen: Die Verhandlungen über die Ukraine bestimmen weiterhin den Markt. Während es noch kein konkretes Abkommen gibt, wurden Pläne für eine weitere Verschärfung der Sanktionen gegen Russland nach 2025 in die Diskussion aufgenommen. Die Europäische Union hat bereits die verpflichtenden Normen für die Füllung der Gasspeicher bis Ende 2027 verlängert und neue Anreizmaßnahmen für „grüne“ Projekte angekündigt, um die energetische Unabhängigkeit zu gewährleisten.
- Internationale Zusammenarbeit: Die G20-Staaten und Teilnehmer der COP30 haben sich geeinigt, die Finanzierung von Klimaprogrammen zu erhöhen. Die geschätzten Bedürfnisse zur Unterstützung von Entwicklungsländern zur Erreichung der Klimaziele bis 2030 belaufen sich auf jährlich 2,4 Billionen Dollar. China und Indien haben ihre Bereitschaft bekräftigt, eine Schlüsselrolle beim Ausbau erneuerbarer Energien zu spielen, während entwickelte Länder zusätzliche Investitionen in saubere Technologien versprochen haben.
- Regionale Initiativen: Auf Unionsebene werden neue Organisationen gebildet. Die EU hat eine Plattform für Energie und Rohstoffe eingerichtet, um den gemeinsamen Einkauf kritischer Ressourcen (Wasserstoff, Erdgas usw.) zu fördern. In Asien wächst die Zusammenarbeit zur Schaffung regionaler Gasmärkte und zur Entwicklung „grüner“ Fonds. Viele Länder entwickeln nationale Dekarbonisierungsfahrpläne, indem sie steuerliche und subventionelle Anreize für den Übergang zu sauberer Energie einführen.
- Technologische Normen: Parallel dazu werden die Emissionsvorschriften verbessert. Die USA verschärfen die Standards für Methanemissionen an Erdöl- und Erdgasfeldern, während die EU Mechanismen zur Unterstützung sauberer Energie mittels CO₂-Preissetzung und Quoten vorantreibt. Diese Maßnahmen sind auf die beschleunigte Umstellung auf einen „grünen“ Kurs ausgerichtet und beeinflussen die Investitionsstrategien von Unternehmen weltweit.