
Aktuelle Nachrichten aus der Öl-, Gas- und Energiewirtschaft am Montag, den 5. Januar 2026: Öl, Gas, Elektrizität, Erneuerbare Energien, Kohle, Mineralölerzeugnisse, Geopolitik und zentrale Trends auf den globalen Energiemärkten.
Die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Brennstoffe und Energie (TKE) am 5. Januar 2026 ziehen die Aufmerksamkeit aufgrund des Zusammenspiels von zunehmender geopolitischer Spannung und anhaltender Marknstabilität auf sich. Im Mittelpunkt steht die Bewertung der Folge eines drastischen Temperaturanstiegs in Venezuela nach einer Militäroperation der USA, die zum Machtwechsel im Land geführt hat. Dieses Ereignis hat neue Unsicherheiten auf den Ölmarkt gebracht, obwohl die OPEC+-Gruppe weiterhin an ihrer bisherigen Förderstrategie festhält und keine Quotensteigerungen vornimmt. Dies bedeutet, dass das weltweite Ölangebot weiterhin übermäßig ist und die Brent-Preise bis zuletzt um die 60 $ pro Barrel schwankten (fast 20 % niedriger als im Vorjahr, was den größten Rückgang seit 2020 darstellt). Der europäische Gasmarkt zeigt relative Stabilität: Selbst im tiefsten Winter bleiben die Gasspeicher der EU hoch gefüllt, und rekordverdächtige LNG-Importmengen sorgen für moderate Gaspreise. Gleichzeitig nimmt der globale Energiewandel Fahrt auf – im Jahr 2025 wurden in vielen Ländern Rekorde in der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen verzeichnet, und die Investitionen in saubere Energien steigen. Dennoch führen geopolitische Faktoren weiterhin zu Volatilität: Die Spannungen rund um den Export von Energieträgern lassen nicht nach, und neue Konflikte (wie in Lateinamerika) verändern plötzlich die Machtverhältnisse auf den Märkten. Nachfolgend finden Sie eine detaillierte Übersicht über die wichtigsten Nachrichten und Trends auf den Öl-, Gas-, Elektrizitäts- und Rohstoffmärkten zum aktuellen Datum.
Ölmarkt: OPEC+-Kurs bleibt stabil, Geopolitik verstärkt die Volatilität
- OPEC+-Politik: Auf der ersten Sitzung des Jahres 2026 entschieden die Schlüsselstaaten des OPEC+-Bündnisses, die Ölproduktion unverändert zu lassen, und bestätigten die zuvor angekündigte Pause bei der Quotenerhöhung für das erste Quartal. Im Jahr 2025 erhöhten die Teilnehmer des Abkommens die Produktion insgesamt um etwa 2,9 Mio. Barrel pro Tag (ca. 3 % der weltweiten Nachfrage), aber der dramatische Preisverfall im Herbst führte zu einer vorsichtigen Vorgehensweise. Die Beibehaltung der Beschränkungen soll einen weiteren Preisverfall verhindern – obwohl das Potenzial für Preissteigerungen bisher begrenzt ist, da der Weltmarkt ausreichend mit Öl versorgt ist.
- Überangebot: Branchenanalysten schätzen, dass das weltweite Ölangebot im Jahr 2026 den Bedarf um 3-4 Millionen Barrel pro Tag übersteigen könnte. Hohe Fördermengen in OPEC+-Staaten sowie Rekordproduktionen in den USA, Brasilien und Kanada haben zu einem signifikanten Anstieg der Lagerbestände geführt. Öl staut sich sowohl in oberirdischen Lagereinrichtungen als auch in Tankern, die Rekordmengen Rohöl transportieren – all dies deutet auf eine Marktsättigung hin. Infolgedessen stabilisierten sich die Preise für Brent- und WTI-Öl im engen Bereich um ~$60 pro Barrel Ende des vergangenen Jahres.
- Nachfragefaktoren: Die Weltwirtschaft zeigt ein moderates Wachstum, was die globale Öl-Nachfrage unterstützt. Im Jahr 2026 wird ein moderater Anstieg des Verbrauchs erwartet – hauptsächlich aus den asiatischen und nahöstlichen Ländern, wo Industrie und Verkehr weiterhin wachsen. Allerdings bremsen das langsame Wirtschaftswachstum in Europa und die strenge Geldpolitik der USA das Wachstum der Brennstoffnachfrage. Eine besondere Rolle spielt China: Im Jahr 2025 nutzte Peking die niedrigen Preise und baute aktiv strategische Ölreserven auf, was als eine Art „Puffer“ für den Markt fungierte. Im neuen Jahr sind die Möglichkeiten Chinas, die Lager zu füllen, jedoch begrenzt, sodass seine Importpolitik zu den entscheidenden Faktoren für das Gleichgewicht auf dem Ölmarkt gehören wird.
- Geopolitik und Preise: Eine entscheidende Ungewissheit für den Ölmarkt sind geopolitische Ereignisse. Die Aussichten für eine Lösung des Konflikts in der Ukraine sind derzeit unklar, weshalb die Sanktionen gegen den Export russischen Öls bestehen bleiben und den Handel weiterhin beeinflussen. Eine neue Krise in Lateinamerika – eine militärische Aktion der USA gegen die Regierung Venezuelas – erinnert den Markt daran, dass politische Faktoren das Angebot plötzlich reduzieren können. Angesichts dieser Risiken kalkulieren die Investoren eine höhere „Risikoprämie“ in die Ölpreise ein. In den ersten Tagen des Jahres 2026 begannen die Preise für Brent allmählich zu steigen, beginnend bei ~$60. Experten schließen kurzfristige Preisanstiege auf $65-70 pro Barrel nicht aus, sollte die Krise in Venezuela andauern oder sich ausweiten. Dennoch deutet der allgemeine Konsens für das Jahr auf ein anhaltendes Überangebot an Öl hin, was das Preiwachstum in naher Zukunft dämpfen wird.
Gasmarkt: stabile Lieferungen und Preisressourcen
- Europäische Speicher: Die EU-Staaten sind ins Jahr 2026 mit hohen Beständen an Erdgas gestartet. Zu Beginn des Januars sind die unterirdischen Speicher Europas zu mehr als 60 % gefüllt, was nur geringfügig unter den Rekordwerten des Vorjahres liegt. Ein milder Winterbeginn und Energiesparmaßnahmen führen zu einer moderaten Entnahme von Gas aus den Speichern und sorgen für ausreichende Reserven in den verbleibenden kalten Monaten. Diese Faktoren beruhigen den Markt: Die Großhandelspreise für Gas bleiben im Bereich von ~$9-10 pro Million BTU (ca. 28-30 € pro MWh nach TTF-Index) – weit unter den Höchstständen während der Krise 2022.
- Die Rolle des LNG: Um den drastischen Rückgang der Pipe-Lieferungen aus Russland (bis Ende 2025 fiel der russische Gasexport über Pipelines nach Europa um mehr als 40 %) erheblich auszugleichen, haben die europäischen Länder ihre Beschaffung von verflüssigtem Erdgas stark erhöht. Im Jahr 2025 wuchs der LNG-Import in die EU um etwa 25 %, hauptsächlich aufgrund von Lieferungen aus den USA und Katar sowie durch den Betrieb neuer Regasifizierungsterminals. Der stabile Zufluss von LNG hat die Auswirkungen des Rückgangs des russischen Pipeline-Gases gemildert und die Diversifizierung der Lieferquellen erhöht, was die Energiesicherheit Europas verbessert.
- Der asiatische Faktor: Das Gleichgewicht auf dem globalen Gasmarkt hängt auch von der Nachfrage in Asien ab. Im Jahr 2025 erhöhten China und Indien den Gasimport, um ihre Industrie und Energieversorgung zu unterstützen. Dabei wurden Handelsreibung hinzugefügt: So reduzierte Peking beispielsweise die Käufe von US-LNG aufgrund zusätzlicher Tarife und orientierte sich auf andere Lieferanten. Sollte die Wirtschaft in Asien im Jahr 2026 schneller wachsen, könnte der Wettbewerb zwischen Europa und Asien um LNG-Lieferungen zunehmen, was preiserhöhenden Druck erzeugt. Derzeit ist die Situation jedoch ausgewogen, und bei normalen Witterungsbedingungen erwarten Experten eine relative Stabilität auf dem globalen Gasmarkt.
- Die Strategie der EU: Die Europäische Union beabsichtigt, den Fortschritt beim Ausstieg aus dem russischen Gas zu festigen und die Abhängigkeit von einem einzelnen Lieferanten zu reduzieren. Das offizielle Ziel Brüssels ist, die Gasimporte aus Russland bis 2028 vollständig einzustellen. Hierfür sind weitere Investitionen in LNG-Infrastruktur (neue Terminals, Flotte) sowie die Entwicklung alternativer Pipeline-Transportwege und ein Anstieg der internen Produktion und des Biogasangebots geplant. Zugleich wird in der EU über die Verlängerung der Anforderungen zur Füllung der Gasspeicher für die kommenden Jahre diskutiert (mindestens 90 % der Kapazität bis zum 1. Oktober jedes Jahres). Diese Maßnahmen sollen einen Puffer für abnormale kalte Winter gewährleisten und die Volatilität des Marktes in der Zukunft reduzieren.
Internationale Politik: Eskalation von Konflikten und Sanktionen
- Krise in Venezuela: Der Jahresbeginn wurde durch ein beispielloses Ereignis geprägt: Die USA führten eine militärische Operation gegen die venezolanische Regierung durch. Infolgedessen wurden die Spezialkräfte Präsident Nicolás Maduro festgenommen, dem in den USA Drogenhandel und Korruption vorgeworfen werden. Washington erklärte, dass Maduro seines Amtes enthoben wurde und die vorübergehende Leitung des Landes bis zur Handübertragung an von den USA unterstützte Kräfte umgeht. Gleichzeitig verschärften die US-Behörden die Ölsanktionen: Seit Dezember gibt es eine faktische maritime Blockade Venezuelas, wobei die US Navy mehrere Tanker mit venezolanischem Öl abfing. Diese Maßnahmen haben bereits zu einer Reduzierung der Ölexporte aus Venezuela geführt: Schätzungen zufolge fielen diese im Dezember auf ~0,5 Mio. Barrel pro Tag (gegenüber ~1 Mio. B/d im Durchschnitt im Herbst). Die Produktion im Land geht vorerst weiter, aber die politische Krise schafft hohe Unsicherheiten hinsichtlich zukünftiger Lieferungen. Die Märkte reagieren mit steigenden Preisen und Umstellungen der Transportwege: Obwohl Venezuelas Anteil am weltweiten Exports nur gering ist, senden die harten Maßnahmen der USA an alle Importeure ein Signal über die Risiken von Sanktionen.
- Russische Energieträger: Der Dialog zwischen Moskau und dem Westen über mögliche Lockerungen der Beschränkungen für russisches Öl und Gas bringt bislang keine Ergebnisse. USA und EU haben die bestehenden Sanktionen und Preisobergrenzen verlängert und deren Aufhebung an Fortschritte in der Regelung der Ukraine-Situation geknüpft. Darüber hinaus deutet die US-Regierung an, dass sie bereit ist, neue Maßnahmen zu ergreifen: Es werden zusätzliche Sanktionen gegen Unternehmen aus China und Indien diskutiert, die helfen, russisches Öl außerhalb der festgelegten Grenzen zu transportieren oder zu erwerben. Diese Signale schaffen auf dem Markt ein gewisses Maß an Unsicherheit: Im Tankersektor steigen beispielsweise die Fracht- und Versicherungskosten für Rohstoffe ungewissen Ursprungs. Trotz der Sanktionen verfügt der russische Export von Öl und Mineralölerzeugnissen nach wie vor über ein relativ hohes Niveau, da er sich zunehmend auf Asien orientiert, jedoch erfolgt der Handel mit erheblichen Rabatten und logistischen Zusatzkosten.
- Konflikte und Versorgungssicherheit: Militärische und politische Konflikte wirken sich weiterhin auf die globalen Energiemärkte aus. Im Schwarzen Meer bleibt die Situation angespannt: Ende Dezember wurden Angriffe auf Hafeninfrastrukturen im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen Russland und der Ukraine verzeichnet. Bisher hat dies nicht zu ernsthaften Unterbrechungen beim Export von Öl oder Getreide über Seewege geführt, aber das Risiko für Handelsrouten bleibt hoch. Im Nahen Osten hat sich die Lage im Jemen verschärft: Meinungsverschiedenheiten zwischen führenden OPEC-Teilnehmern, Saudi-Arabien und den VAE, haben sich durch den Konflikt ihrer Verbündeten im jemenitischen Territorium gezeigt. Auch wenn diese Spannungen bisher die Zusammenarbeit innerhalb der OPEC+ nicht stören, schließen Analysten nicht aus, dass die Einheit des Bündnisses im Falle einer Eskalation der Konflikte gefährdet werden könnte. Ein zusätzlicher Risikofaktor sind die jüngsten Erklärungen der USA gegenüber dem Iran: Washington drohte, Angriffe auf dieses Land durchzuführen, was theoretisch den Export von Öl aus dem Golf gefährden könnte. Insgesamt führt die geopolitische Instabilität zu einer permanenten Risikoprämie auf dem Markt und zwingt die Marktakteure, Notfallpläne für Lieferunterbrechungen zu entwickeln.
Asien: Indiens und Chinas Strategie angesichts der Energieherausforderungen
- Indiens Importpolitik: Angesichts der verschärften Sanktionen und geopolitischen Drucks muss Indien zwischen den Erwartungen westlicher Partner und dem eigenen Energiebedarf navigieren. Neu-Delhi hat sich formell nicht den Sanktionen gegen Moskau angeschlossen und kauft weiterhin signifikante Volumina russischen Öls und Kohle zu günstigen Bedingungen. Russisches Öl stellte 2025 mehr als 20 % der von Indien importierten Öle. Dennoch hält die Regierung des Landes zufolge ein Verzicht auf russische Rohstoffe für kaum möglich. Am Ende des Jahres 2025 haben jedoch die indischen Raffinerien die Rohölkäufe aus Russland aufgrund von Bank- und logistischen Einschränkungen leicht zurückgefahren: Laut Händlern fielen die russischen Öllieferungen nach Indien im Dezember auf ~1,2 Mio. Barrel pro Tag – den niedrigsten Stand der letzten zwei Jahre (im Vergleich zu den Rekordwerten von ~1,8 Mio. B/d einen Monat zuvor). Um einem Mangel vorzubeugen, hat sich der größte indische Mineralölkonzern Indian Oil entschieden, Zusatzvereinbarungen für zusätzliche Ölvolumina aus Kolumbien aktiv zu nutzen und verhandelt mit nahöstlichen und afrikanischen Lieferanten. Gleichzeitig strebt Indien spezielle Bedingungen an: Russische Unternehmen bieten indischen Käufern Urals-Öl mit einem Rabatt von ~$4-5 auf den Brent-Preis an, was diese Barrel sogar unter Berücksichtigung der Sanktionen wettbewerbsfähig macht. Langfristig plant Indien, die eigene Ölproduktion zu steigern: Das staatliche Unternehmen ONGC entwickelt tiefseetaugliche Vorkommen im Andamanensee, und die ersten Bohrergebnisse geben Anlass zur Hoffnung. Dennoch wird das Land trotz der Bemühungen zur Steigerung der eigenen Produktion auch in den kommenden Jahren von Importen mit mehr als 85 % des Ölverbrauchs abhängig bleiben.
- Chinas Energiesicherheit: Die größte Volkswirtschaft Asiens balanciert weiterhin zwischen dem Wachstum der inländischen Produktion und dem Anstieg des Energieimports. Peking hat sich den Sanktionen gegen Russland nicht angeschlossen und die Gelegenheit genutzt, die Käufe von russischem Öl und Gas zu ermäßigten Preisen zu erhöhen. Ende 2025 näherte sich der Ölimport in die Volksrepublik China wieder einem Rekordwert und erreichte etwa 11 Mio. Barrel pro Tag (nur geringfügig weniger als der historische Höchststand von 2023). Auch der Gasimport – sowohl verflüssigtes als auch pipeliniertes – bleibt auf einem hohen Niveau, während er die Industrie und die Wärmeversorgung während der Erholungsphase unterstütz. Gleichzeitig steigt China jährlich in die eigene Hydrocarbonproduktion: Im Jahr 2025 wuchs die Ölproduktion im Land auf einen historischen Höchststand von ~215 Millionen Tonnen (≈4,3 Millionen Barrel pro Tag, +1 % im Jahresvergleich), und die Erdgasförderung überstieg 175 Milliarden Kubikmeter (+5-6 % im Jahresvergleich). Obwohl das Wachstum der heimischen Produktion den Bedarf teilweise decken konnte, importiert China nach wie vor rund 70 % seines Ölverbrauchs und etwa 40 % des Gases. Um die Energiesicherheit zu erhöhen, investiert die chinesische Regierung in die Erschließung neuer Vorkommen, Technologien zur Verbesserung der Ölgewinnung und expanderende Kapazitäten für strategische Reserven. In den kommenden Jahren wird Peking weiterhin die Bestände an Staatsölreserven ausbauen, um einen „Puffer“ für Marktverwerfungen zu schaffen. Somit passen sich die beiden größten Abnehmer Asiens – Indien und China – flexibel an die neue Marktsituation an, indem sie Diversifizierung des Imports mit der Entwicklung der eigenen Ressourcenbasis kombinieren.
Energiewende: Rekorde der erneuerbaren Energien und die Rolle traditioneller Generationen
- Wachstum der erneuerbaren Energien: Der globale Übergang zu sauberer Energie beschleunigt sich weiterhin. Im Jahr 2025 wurden in vielen Ländern Rekordmengen an Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugt. In den USA überstieg der Anteil erneuerbarer Energiequellen in der Stromerzeugung erstmals 30 %, wobei die kombinierte Erzeugung durch Sonne und Wind erstmals höher war als die Stromproduktion in Kohlekraftwerken. China bleibt der weltweite Führer bei der installierten Kapazität erneuerbarer Energiequellen und hat im vergangenen Jahr Rekordmengen neuer Solar- und Windkraftanlagen in Betrieb genommen. Die Regierungen vieler Länder erhöhen die Investitionen in grüne Energie, die Modernisierung von Netzwerken und Energiespeichersystemen, um Klimaziele zu erreichen und von den sinkenden Kosten der Technologien zu profitieren.
- Integrationsherausforderungen: Das rasante Wachstum erneuerbarer Energien bringt nicht nur Vorteile, sondern auch neue Herausforderungen mit sich. Die größte Herausforderung besteht darin, die Stabilität der Energiesysteme bei einem wachsenden Anteil variabler Quellen (Solar- und Windkraft) zu gewährleisten. Die Praktiken im Jahr 2025 haben gezeigt, dass es an Reservekapazitäten mangelt: Kraftwerke, die in der Lage sind, Lastspitzen schnell abzudecken oder den Rückgang der Erzeugung aus erneuerbaren Energien bei ungünstigem Wetter auszugleichen. China und Indien setzen trotz des massiven Ausbaus erneuerbarer Energien weiterhin moderne Kohle- und Gas-Kraftwerke in Betrieb, um die schnell wachsende Nachfrage nach Elektrizität zu decken und Stromengpässe zu verhindern. Daher spielt die traditionelle Stromerzeugung zum jetzigen Zeitpunkt der Energiewende weiterhin eine wichtige Rolle für die Gewährleistung der Zuverlässigkeit der Stromversorgung. Für eine sichere Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien sind Durchbrüche im Bereich Energiespeicher und digitales Netzwerkmanagement erforderlich, die es ermöglichen, noch mehr erneuerbare Kapazitäten ohne Risiko von Unterbrechungen zu integrieren.
Kohlemarkt: Stabile Nachfrage bei „grüner“ Ausrichtung
- Historische Höchststände: Trotz des globalen Kurses auf Dekarbonisierung erreichte der weltweite Kohleverbrauch im Jahr 2025 ein neues Rekordniveau. Nach Angaben der IEA überstieg der Verbrauch den vorherigen Höchststand des Vorjahres, hauptsächlich aufgrund des Anstiegs der Kohleverstromung in Asien. China und Indien, die zwei Drittel des weltweiten Kohleverbrauchs ausmachen, erhöhten die Stromerzeugung in Kohlekraftwerken und kompensierten die Schwankungen der Erzeugung aus erneuerbaren Energien, um die wachsende Nachfrage zu befriedigen. Gleichzeitig setzten viele entwickelte Länder die Nutzung von Kohle fort, obwohl es keinen globalen Rückgang gab. Die anhaltend hohe Nachfrage nach Kohle unterstreicht die Herausforderungen der Energiewende: Entwicklungsökonomien sind bislang nicht bereit, auf die kostengünstige und zugängliche Kohle zu verzichten, die die grundlegende Stabilität der Energieversorgung sichert.
- Perspektiven und Übergangszeit: Es wird erwartet, dass die weltweite Nachfrage nach Kohle erst bis Ende dieses Jahrzehnts spürbar zurückgeht – mit dem Ausbau erneuerbarer Energien, der Ausweitung der Atomenergie und der Gasstromproduktion. Der Übergang wird jedoch ungleichmäßig verlaufen: in bestimmten Jahren sind lokale Nachfragespitzen aufgrund von Wetteranomalien (z. B. Dürren, die die Wasserkraftproduktion reduzieren oder strenge Winter, die den Heizbedarf erhöhen) möglich. Regierungen müssen zwischen den Zielen zur Reduzierung der Emissionen und der Notwendigkeit der Gewährleistung von Energiesicherheit und akzeptablen Preisen balancieren. Viele Länder in Asien investieren in Technologien zur saubereren Verbrennung von Kohle und CO2-Abscheidungssystemen, während sie gleichzeitig allmählich ihre Investitionen in Richtung erneuerbare Quellen verlagern. In den nächsten Jahren dürfte der Kohlesektor relativ stabil bleiben, bevor er in den 2030er Jahren zurückgeht.
Ölraffinerie und Mineralölprodukte: Dieselkraftstoffmangel und neue Einschränkungen
- Dieselparadoxon: Auf dem globalen Markt der Mineralölprodukte ergab sich bis Ende 2025 eine paradoxe Situation: Die Ölpreise sanken, während die Raffineriemargen, insbesondere bei der Dieselproduktion, stark anstiegen. In Europa stieg die Rentabilität von Dieselpumpen um etwa 30 % im Jahresvergleich, da die Nachfrage nach Dieselkraftstoffen hoch blieb, während das Angebot begrenzt war. Die Gründe sind das Wiederaufleben des Transports und der Industrie nach der Pandemie, die Reduzierung der Raffineriekapazitäten in den letzten Jahren sowie die Umstrukturierung der Handelsströme aufgrund von Sanktionen. Das europäische Embargo auf russische Mineralölprodukte zwang die EU, Dieselkraftstoff aus weiter entfernten Regionen (Naher Osten, Asien) zu höheren Preisen zu importieren, während in einigen anderen Ländern lokale Engpässe bei Kraftstoffen auftraten. Infolgedessen blieben die Großhandelspreise für Diesel und Kerosin Ende des Jahres auf hohem Niveau, und die Einzelhandelspreise in einigen Regionen stiegen schneller als die Inflation.
- Markt und Perspektiven: Analysten erwarten, dass die hohen Margen im Diesel, Kerosin und Benzinsegment in den kommenden Monaten fortbestehen – zumindest bis neue Raffineriekapazitäten installiert werden oder die Nachfrage aufgrund des Übergangs zum Elektrotransport und anderen Energiequellen erheblich zurückgeht. In den Jahren 2026-2027 wird der Start mehrerer großer Raffinerien im Nahen Osten und in Asien erwartet, was den Kraftstoffmangel auf dem Weltmarkt teilweise mildern sollte. Gleichzeitig könnten strengere Umweltauflagen in Europa und Nordamerika (z. B. Anforderungen an Schwefelgehalt und Erhöhung der Steuern auf traditionelle Kraftstoffe) den langfristigen Wachstum der Nachfrage nach Mineralölprodukten bremsen. Damit geht der Markt für Mineralölprodukte in das Jahr 2026 mit einer angespannten Bilanz: Das Angebot hinkt der Nachfrage in bestimmten Bereichen hinterher, und jede ungeplante Produktionskürzung (zum Beispiel wegen einer Krise in Raffinerien oder aufgrund von Sanktionen) könnte zu Preisausbrüchen führen.
Russischer Treibstoffmarkt: Fortsetzung der Stabilitätsmaßnahmen
- Exportbeschränkungen: Um einer Unterdeckung des Treibstoffs auf dem heimischen Markt vorzubeugen, verlängert Russland die im Herbst 2025 eingeführten Notmaßnahmen. Die Regierung bestätigte, dass das Verbot für den Export von Benzin und Dieselkraftstoff bis mindestens zum 28. Februar 2026 in Kraft bleibt. Experten schätzen, dass diese Maßnahme auf dem Binnenmarkt monatlich zusätzlich 200-300 Tausend Tonnen Treibstoff bereitstellt, die zuvor zum Export vorgesehen waren. Dies hat die Versorgung der Tankstellen verbessert und geholfen, akute Engpässe bei Benzin und Diesel in Zeiten erhöhter Winternachfrage zu vermeiden.
- Preisstabilität: Das Paket an Maßnahmen hat es ermöglicht, den Preisanstieg an den Tankstellen zu begrenzen. Im Jahr 2025 stiegen die Endverbraucherpreise für Benzin und Dieselkraftstoff in Russland nur um einige Prozent, was mit der allgemeinen Inflation vergleichbar ist. Die Behörden beabsichtigen, weiterhin eine proaktive Politik zu verfolgen, um Preisschwankungen zu vermeiden und eine kontinuierliche Treibstoffversorgung der Wirtschaft sicherzustellen. In Erwartung der Frühjahrsfeldarbeiten 2026 überwacht die Regierung weiter den Markt und ist bereit, gegebenenfalls die Einschränkungen zu verlängern oder neue Unterstützungsmechanismen einzuführen, um sicherzustellen, dass der Agrarsektor und andere Verbraucher zu stabilen Preisen mit Treibstoffen versorgt werden.
Finanzmärkte und Indikatoren: Reaktion des Energiesektors
- Aktienentwicklung: Die Börsenindizes der Öl- und Gasunternehmen spiegelten Ende 2025 den Preisdruck der Rohölpreise wider – die Aktien vieler Öl- und Raffineriekonzerne sanken im Zuge des Rückgangs des Gewinns im Upstream-Segment. An den Börsen im Nahen Osten, die von den Ölpreisen abhängen, kam es zu einer Korrektur: So fiel der saudische Index Tadawul im Dezember um etwa 1 %. Auch die Aktien der größten internationalen Unternehmen im Sektor (ExxonMobil, Chevron, Shell usw.) zeigten bis Ende des Jahres einen moderaten Rückgang. In den ersten Tagen des Jahres 2026 stabilisierte sich die Situation jedoch etwas: Die erwarteten Entscheidungen der OPEC+ wurden bereits in die Markpreise eingepreist und von den Investoren als Faktor der Vorhersehbarkeit angesehen. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung sowie des Anstiegs der Ölpreise aufgrund der venezolanischen Krise zeigten die Aktien vieler Öl- und Gaskonzerne eine neutral-positive Dynamik. Sollten die Rohölpreise weiter steigen, könnten die Aktien des Öl- und Gassektors weiteren Wachstumsimpuls erhalten.
- Geldpolitische Maßnahmen: Die Aktivitäten der Zentralbanken beeinflussen den Energiesektor indirekt durch die Nachfrage und den Investitionsfluss. In einigen Schwellenländern begann Ende 2025 eine Geldpolitik zu lockern: Beispielsweise senkte die Zentralbank Ägyptens den Leitzins um 100 Basispunkte, um die Wirtschaft nach einer Phase hoher Inflation zu unterstützen. Die Lockerung der finanziellen Bedingungen stimuliert die wirtschaftliche Aktivität und die inländische Nachfrage nach Energieträgern – so stieg der ägyptische Aktienindex nach der Senkung des Zinssatzes um 0,9 % innerhalb von einer Woche. In den führenden Volkswirtschaften der Welt (USA, EU, Großbritannien) bleiben die Zinssätze jedoch hoch, um die Inflation zu bekämpfen. Die strengen geldpolitischen Bedingungen dämpfen das Wirtschaftswachstum und den Verbrauch von Treibstoffen und machen gleichzeitig Kredite für kapitalintensive Projekte im Energiebereich teuer. Andererseits hält die hohe Rendite in den entwickelten Ländern einen Teil des Kapitals auf den Finanzmärkten dieser Länder, wodurch der Zufluss spekulativer Investitionen in Rohstoffanlagen begrenzt und eine relative Preiskonstanz gefördert wird.
- Währungen rohstoffproduzierender Länder: Die Währungen der großen Energieressourcenexporteure zeigen relative Stabilität trotz der Volatilität der Ölpreise. Der russische Rubel, die norwegische Krone, der kanadische Dollar und die Währungen der Golfstaaten werden durch hohe Exportzahlungen gestützt. Zum Ende des Jahres 2025 schwächten sich die Kurse dieser Währungen trotz des Rückgangs der Ölpreise nur geringfügig ab, da die Haushalte vieler rohstoffproduzierender Länder auf niedrigere Preise ausgelegt sind und der Einfluss souveräner Fonds sowie in Saudi-Arabien die starke Bindungskursstabilität ausgleichen. Der Einstieg in das Jahr 2026 ohne Anzeichen einer Währungskrise zeigt, dass die Rohstoffwirtschaft relativ stabil ist, was sich positiv auf das Investitionsklima im Energiesektor auswirkt.