Ölmarkt: Brent über 95 USD aufgrund von militärischem Risikoaufschlag
Die Ölpreise zeigen ein rasantes Wachstum. Die Futures auf Brent schlossen am Dienstag mit einem Anstieg von mehr als 4,5 % und setzten am Mittwoch ihren Aufwärtstrend fort, handelnd im Bereich von 95–97 USD pro Barrel; amerikanisches WTI stabilisierte sich über 90 USD. Der Markt preist das steigende Risiko von Lieferunterbrechungen aus der Region ein, die etwa ein Fünftel des globalen Seeverkehrs mit Öl ausmacht. Die wichtigsten Preistreiber sind:
- Militärische Eskalation: Die USA führten eine Reihe von Angriffen auf Ziele im Iran durch, darunter Angriffe auf zwei iranische Tanker; Teheran reagierte mit Raketenangriffen auf eine amerikanische Basis in Jordanien und Abschüssen in Richtung der VAE.
- Bedrohung durch die Insel Kharg: Washington lässt offen, dass ein Angriff auf den wichtigsten Export-Ölhub des Iran möglich ist, was direkt das Angebot an Rohstoffen beeinträchtigen würde.
- Paralyse des Schiffsverkehrs: Der Transit durch die Straße von Hormus ist laut Analysten auf etwa 6 Millionen Barrel pro Tag gefallen, während frühere Volumina bis zu 20 % der weltweiten Lieferungen abdeckten.
- Versicherungskostenaufschlag: Angriffe auf kommerzielle Tanker, darunter saudische und südkoreanische Schiffe, haben die Transport- und Versicherungs kosten im Persischen Golf stark erhöht.
Analysten merken an: Solange die Unterstützung bei etwa 90 USD pro Barrel hält, bleibt die Kontrolle auf dem Markt bei den Käufern, doch mit jeder Welle des Anstiegs steigt auch das Risiko einer scharfen Korrektur im Falle einer Deeskalation.
Geopolitik: Die Straße von Hormus als Epizentrum globaler Energie-Risiken
Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran dauert nun seit etwa einem halben Jahr an, doch die aktuelle Phase erscheint am gefährlichsten für den globalen Energiesektor. Der Iran kündigte an, die Straße von Hormus für den kommerziellen Schiffsverkehr zu schließen, während Washington darauf besteht, das Gewässer zu kontrollieren. Gleichzeitig führen die USA Gespräche mit Russland und China über sanktionspolitischen Druck auf Teheran. Für den Weltmarkt ist es von wesentlicher Bedeutung, dass durch die Straße nicht nur das Öl aus Saudi-Arabien, dem Irak, Kuwait und den VAE transportiert wird, sondern auch das katariische LNG – ein vorübergehender Verlust von fast 20 % des globalen Angebots an verflüssigtem Gas hat bereits einen Preisschock an den Gasbörsen Europas und Asiens ausgelöst. Jedes Szenario – von einer Blockade bis zu einem Angriff auf die Exportinfrastruktur des Iran – könnte die Preise um einige Dollar aufgrund des Risikos erhöhen.
OPEC+: Ende des Zyklus der Produktionssteigerung und Pause bis Ende des Jahres
Vor dem geopolitischen Sturm hält sich das Exporteur-Bündnis an den zuvor genehmigten Plan. Seit September haben sieben wichtige OPEC+-Staaten – Saudi-Arabien, Russland, der Irak, Kuwait, Kasachstan, Algerien und Oman – ihre Quoten um 188.000 Barrel pro Tag erhöht und damit den Ausstieg aus den freiwilligen Kürzungen von 1,65 Millionen b/d vollständig abgeschlossen. Das kumulierte erlaubte Produktionsniveau erreichte 36,2 Millionen Barrel pro Tag. Eine weitere Steigerung wurde bis Ende 2026 pausiert; die grundlegenden Beschränkungen von etwa 2 Millionen b/d, die seit 2022 gelten, bleiben jedoch bestehen. Das nächste Ministertreffen ist für den 6. September angesetzt – der Markt wird aufmerksam verfolgen, ob das Bündnis auf die Nahost-Risiken und die entfallenden Volumina des iranischen Exports reagiert. Eine separate Frage bleibt die Neuzuteilung der Quoten nach dem Austritt der VAE aus OPEC und OPEC+ im Mai 2026.
Gasmarkt: Europa hinkt bei den Vorräten hinterher, TTF geht auf 1000 USD zu
Der europäische Gasmarkt erlebt den angespanntesten Herbststart seit Jahren. Oktober-Futures an der TTF-Börse werden bei etwa 880–895 USD pro tausend Kubikmeter gehandelt, was seit Beginn der Woche etwa 2 % zugelegt hat – Ende August übertrafen die Preise erstmals seit fünf Monaten die Marke von 800 USD, und nun diskutiert der Markt ernsthaft über das Potential von 1000 USD. Die Ursachen für das Preissurfen sind:
- Der Rückgang bedeutender LNG-Mengen aus Katar und den VAE aufgrund von Beschränkungen im Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus.
- Historisch niedrige Bestände in den europäischen Gasspeichern vor Beginn der Heizsaison.
- Erhöhter Gasverbrauch durch Kraftwerke im Sommer aufgrund der Hitzewelle und des Anstiegs des Energieverbrauchs.
- Wettbewerb um Spot-Transaktionen von LNG, nur teilweise gemildert durch geringere Einkäufe aus China und Zurückhaltungen preissensitiver Käufer wie Pakistan.
LNG: Amerikanischer Export als Versicherung für den Markt
Ein ausgleichender Faktor sind neue Flüssiggas-Anlagen in Nordamerika: Die Projekte Golden Pass und Plaquemines erhöhen die Produktion, während die LNG-Exporte aus den USA in der Nähe von Rekordhöhen bleiben. Dennoch gibt es nur geringe freie Volumen, um die Verluste aus dem Nahen Osten kurzfristig auszugleichen, was die hohe Preisschwankungsintensität in Europa und Asien aufrechterhält.
Elektrizität und erneuerbare Energien: Erneuerbare Erzeugung lindert den Schock
Die weltweite Elektroenergiebranche passt sich dem Gasengpass an. Branchenanalysten schätzen, dass die fortgesetzte Inbetriebnahme von Sonnen- und Windkraftanlagen der Schlüssel zur Diversifizierung der Energieversorgung und zur Abschwächung der Auswirkungen des Gasengpasses geworden ist: Dort, wo der Anteil erneuerbarer Energien höher ist, ist die Abhängigkeit von teurem importiertem Brennstoff geringer. Gleichzeitig führt der Anstieg der Gaspreise in mehreren asiatischen und europäischen Ländern zur Rückkehr zur Kohleverfeuerung. Ein weiterer struktureller Trend ist der rasante Anstieg des Stromverbrauchs durch Rechenzentren und Infrastruktur der künstlichen Intelligenz: In den USA überarbeiten die Stromnetze ihre Lastprognosen, und der Zugang zu Netzkapazitäten wird zu einer knappen Ressource, was die Investitionsattraktivität von Erzeugungs- und Übertragungsunternehmen erhöht.
Kohle: Nachfrage gestützt durch teures Gas
Der Kohlenmarkt ist erneut zum Nutznießer der Gaskrise geworden. Der Wechsel von Kraftwerken von teurem Gas zu Kohle ist sowohl in Asien als auch in einigen europäischen Ländern zu beobachten, was die Preise für Energiekohle und die Auslastung von Exporteuren – Indonesien, Australien, Russland und Südafrika – stützt. China und Indien halten hohe Mengen an Kohle für die Deckung von Spitzenlasten bereit, und kurzfristig bleibt Kohle eine Versicherung, trotz der langfristigen Dekarbonisierungsziele.
Russischer Markt für Mineralölprodukte: Exportbeschränkungen und punktuelle Erleichterungen
Im inneren Rahmen des russischen Energiesektors bleibt ein strenges regulatorisches Regime in Kraft. Das vollständige Verbot für den Export von Benzin wurde bis zum 31. Januar 2027 verlängert und gilt sowohl für Produzenten als auch für Händler. Gleichzeitig wurden ab dem 1. September die Beschränkungen für Diesel, Schiffs Treibstoff und Heizöl gelockert – deren Export ist wieder direkt den Produzenten gestattet, was das Risiko einer Überproduktion in Raffinerien und eines Rückgangs der Verarbeitungsvolumina verringert. Diese Maßnahmen werden ergänzt durch:
- erhöhte Normen für den Börsenverkauf von Kraftstoffen zur Gewährleistung des inneren Marktes;
- die Kontrolle durch das Antimonopolamt über spekulative Weiterverkäufe von Mineralölprodukten;
- einen Dämpfungsmechanismus, der den Ölkonzernen einen Teil der entfallenden Exporterlöse kompensiert.
Die Kraftstoffvorräte im Land sind vergleichbar mit denen des Vorjahres, die Situation in den Regionen, wo im Frühjahr Störungen aufgetreten sind, normalisiert sich allmählich – doch die Saison der Herbstwartungen der Raffinerien erfordert von den Regulierungsbehörden Wachsamkeit.
Was das für Investoren bedeutet: wichtige Indikatoren am 3. September
Der Energiesektor startet den Donnerstag mit einem maximalen geopolitischen Risikoaufschlag, der seit Monaten besteht. Investoren und Marktteilnehmer sollten Folgendes im Auge behalten:
- Dynamik des Konflikts zwischen den USA und dem Iran – jegliche Signale über einen Angriff auf die Insel Kharg oder gegenteilig über Verhandlungen könnten Brent um einige Dollar in beide Richtungen bewegen.
- Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus – eine Wiederherstellung des Transits wäre der Hauptfaktor für einen Deflationsimpuls bei Öl und LNG.
- OPEC+-Treffen am 6. September – die Reaktion des Bündnisses auf entfallende Volumina und das Preissurfen.
- Füllungsraten der europäischen Gasspeicher – sie bestimmen, ob Gas über 900 USD pro tausend Kubikmeter gesichert werden kann.
- Russischer Kraftstoffmarkt – die Auswirkungen der teilweisen Öffnung des Dieselexports und die Börsenpreise für Benzin.
Das Basisszenario für die kommenden Tage sieht eine hohe Volatilität bei steigenden Öl- und Gaspreisen vor: Der Energiemarkt handelt erneut nicht mit dem Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage, sondern mit Geopolitik.