
Wichtige Nachrichten zu Startups und Venture Capital am 27. September 2025: Rekord-AI-Runden, neue Einhörner im Fintech, M&A-Transaktionen und Belebung des IPO-Marktes. Analyse der wichtigsten Trends für Investoren und Fonds.
Die internationale Startup- und Venture-Capital-Community schließt den September mit einem Aufschwung ab. In den letzten Tagen wurden rekordverdächtige Finanzierungsrunden im Bereich der künstlichen Intelligenz und verwandten Technologien verzeichnet, mehrere Fintech-Startups haben den Status „Einhorn“ erreicht, und große Unternehmen kündigen neue Venture-Fonds an. Gleichzeitig belebt sich der Markt für Börsengänge: Mehrere Technologieunternehmen gehen erfolgreich an die Börse, und die Branche verzeichnet eine Reihe von auffälligen Übernahmen von Startups durch große Akteure. Im Folgenden die Einzelheiten der wichtigsten Ereignisse im Venture-Markt der letzten Woche.
Umfassende Investitionen in AI und Robotik
Der Sektor der künstlichen Intelligenz zieht weiterhin die größten Investitionen an und bestätigt den anhaltenden Boom rund um AI-Technologien:
- Nscale (Vereinigtes Königreich) hat 1,1 Milliarden US-Dollar in einer zweiten Finanzierungsrunde eingesammelt. Der Hauptinvestor ist das norwegische Unternehmen Aker ASA, das 285 Millionen US-Dollar für einen Anteil von 9,3 % investiert hat. Die Mittel werden für den beschleunigten Bau von Rechenzentren verwendet (unter anderem in Partnerschaft mit OpenAI im arktischen Narvik). Auch Nokia, NVIDIA, Dell, Fidelity und weitere strategische Investoren nahmen an der Runde teil und unterstrichen damit das Vertrauen in Infrastruktur-AI-Projekte.
- Mistral AI (Frankreich) erhielt Investitionen in Höhe von 1,7 Milliarden Euro (etwa 2 Milliarden US-Dollar) in einer Serie-C-Runde, angeführt vom größten Chiphersteller ASML. Diese Transaktion hob die Bewertung des vielversprechenden Entwicklers von generativen AI-Modellen auf 11,7 Milliarden Euro und machte Mistral zu einem der wertvollsten AI-Startups in Europa. Die Beteiligung von ASML und NVIDIA an der Runde spiegelt den Wunsch Europas wider, die technologische Souveränität im Bereich AI zu stärken und mit den Führern aus den USA und Asien zu konkurrieren.
- Figure (USA), ein Startup zur Entwicklung von humanoiden Robotern, hat mehr als 1 Milliarde US-Dollar in einer Serie-C-Runde mit einer post-raise Bewertung von etwa 39 Milliarden US-Dollar angezogen. Der Fonds Parkway VC führte die Runde an, an der auch Brookfield, NVIDIA, Intel Capital, Salesforce Ventures, Qualcomm Ventures und andere teilnahmen. Dies stellt ein beispielloses Bewertungsniveau für ein privates Startup dar und zeigt das Vertrauen der Investoren in das Potenzial humanoider Roboter und Deeptech-Entwicklungen an der Schnittstelle von AI und Robotik.
- Modular (USA), Entwickler einer Plattform für den universellen Start von AI-Anwendungen auf verschiedenen Chips, hat 250 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von 1,6 Milliarden US-Dollar gesammelt. Die Runde wurde vom US Innovative Technology Fund geleitet, mit Beteiligung von DFJ Growth, GV (Google Ventures), General Catalyst und Greylock. Das von ehemaligen Apple- und Google-Mitarbeitern gegründete Startup bietet eine „neutrale“ Software-Schicht für die Arbeit mit AI auf Chips verschiedener Hersteller und stellt somit die Dominanz von NVIDIA in Frage. Die Investitionen helfen Modular, das Geschäft zu skalieren und vom Support des AI-Inferenzmarktes in den Markt für Modellerstellung überzugehen, was potenziell den Wettbewerb im Bereich AI-Hardware erweitern könnte.
Fintech: neue Einhörner und digitale Währungen
Auch im Finanztechnologiesektor gab es bedeutende Ereignisse, die auf eine hohe Aktivität von Risikokapital und traditionellen Finanzinstituten hinweisen:
- Tide (Vereinigtes Königreich), ein digitaler Bankdienst für kleine Unternehmen, hat 120 Millionen US-Dollar in einer strategischen Finanzierungsrunde unter der Leitung des TPG-Fonds eingesammelt. Die Bewertung des Unternehmens erreichte nach dem Deal 1,5 Milliarden US-Dollar, was Tide formal den Status eines „Einhorns“ verleiht. Bereits im vergangenen Jahr sammelte Tide 100 Millionen US-Dollar ein (Hauptinvestor: Apax Partners) bei einer Bewertung von 650 Millionen US-Dollar, und die neue Runde wird die internationale Expansion beschleunigen, die Produktentwicklung vorantreiben und in eigene AI-basierte Lösungen investieren.
- Ein Konsortium aus neun großen europäischen Banken (darunter ING, UniCredit, SEB, Raiffeisen und andere) kündigte eine gemeinsame Initiative zur Schaffung der ersten pan-europäischen Stabilen Währung, die an den Euro gebunden ist, an. Ziel des Projekts ist es, bis 2026 eine digitale Währung zu starten, die den MiCA-Vorgaben entspricht, für sofortige Zahlungen rund um die Uhr im gesamten Europäischen Union. Die Banken positionieren diesen Schritt als Antwort auf die Dominanz der Dollar-Stablecoins und als wichtigen Bestandteil der strategischen Autonomie Europas im Zahlungsverkehr.
- Fnality International – eine Fintech-Plattform für interbankliche Blockchain-Zahlungen – hat 136 Millionen US-Dollar in einer Finanzierungsrunde (ca. 100 Millionen GBP) gesammelt. Das von einer Reihe globaler Banken unterstützte Projekt entwickelt eine Infrastruktur für schnelle Zahlungen und Abrechnungen mit digitalen Währungen von Zentralbanken. Neue Investitionen werden es Fnality ermöglichen, die Systeme in verschiedenen Jurisdiktionen schneller einzuführen und die Einführung kommerzieller Dienstleistungen zu beschleunigen, die darauf abzielen, die Effizienz traditioneller Finanzmärkte zu verbessern.
- Die größte europäische Neobank Revolut kündigte einen Plan zur globalen Expansion an: Das Unternehmen investiert 10 Milliarden GBP (etwa 13 Milliarden US-Dollar) in die Entwicklung in den nächsten fünf Jahren. Revolut plant, die Kundenbasis von 65 auf 100 Millionen Nutzer zu erhöhen und bis 2030 in über 30 neuen Märkten aktiv zu sein. Im Rahmen dieser Strategie werden etwa 3 Milliarden GBP in die Expansion im Vereinigten Königreich investiert, während die restlichen Mittel dem internationalen Wachstum zugutekommen. Die Ankündigung dieser bedeutenden Investitionen unterstreicht den Wunsch des Fintech-Giganten, seine Führungsposition auszubauen und ist bereit, erhebliches Kapital für das Wachstum einzusetzen, obwohl Revolut selbst weiterhin ein privates Unternehmen ist und eine der wertvollsten Fintech-Firmen in Europa bleibt.
TravelTech und andere branchenspezifische Trends
Neben AI und Fintech fließen auch Venture-Investitionen weiterhin in verschiedene Projekte, die Technologien in traditionelle Wirtschaftssektoren integrieren:
- WeTravel (USA/Niederlande), eine Plattform für die Organisation von Gruppenreisen mit AI-Tools, hat 92 Millionen US-Dollar in einer Serie-C-Runde unter der Leitung von Sapphire Ventures eingesammelt. WeTravel, gegründet im Jahr 2014, erleichtert die Buchung von Reisen, das Zahlungsmanagement und die Logistik für Reiseveranstalter. Das neue Kapital wird dem Startup helfen, zusätzliche AI-Funktionen zur Automatisierung komplexer Arbeitsabläufe in der Tourismusbranche zu entwickeln. Die Beschaffung einer so großen Runde verdeutlicht das wachsende Interesse der Investoren am TravelTech-Sektor, der zunehmend künstliche Intelligenz integriert – ähnliche Deals erhielten in diesem Jahr bereits die Buchungsdienste Klook (100 Millionen US-Dollar) und die eSIM-Plattform Airalo (220 Millionen US-Dollar).
- Im Bereich Medizintechnologie wurde ebenfalls eine bedeutende Runde verzeichnet: Das New Yorker Startup Inspiren, das eine AI-Plattform für intelligente Altenheime und Pflegezentren entwickelt, erhielt 100 Millionen US-Dollar in der Serie-B-Finanzierung (geführt von Insight Partners). Die Lösungen von Inspiren integrieren die Überwachung der Patientensicherheit, die Pflegeplanung und die Personalanalyse zu einem intelligenten Komplettsystem für Betreiber von Altenheimen. Neue Finanzierungen werden helfen, die Technologie weiter zu verbreiten, und zeigen das Interesse von Venture-Fonds an Innovationen an der Schnittstelle von Gesundheitswesen und künstlicher Intelligenz.
- Aktivität ist auch in anderen Nischen zu beobachten. Im Bereich B2B Softwarelösungen für Unternehmen hat das Startup Flox (New York) 25 Millionen US-Dollar in der Serie-B für die Entwicklung einer Plattform für die vereinheitlichte Softwareentwicklung gesammelt. Im Bereich EdTech hat das Singapore-Startup Anthology eine Runde von 40 Millionen US-Dollar abgeschlossen, um seine Online-Lernplattform auszubauen. Diese Beispiele zeigen, dass Investoren bereit sind, vielversprechende Projekte in allen Branchen zu unterstützen – von Tourismus und Gesundheitswesen bis hin zu Unternehmenssoftware und Bildung –, sofern diese technologische Innovationen und Wachstumspotential anbieten.
Neue Venture-Fonds und Unternehmensinvestitionen
Das Bestreben der Investoren, den Marktaufschwung zu nutzen, zeigt sich nicht nur in der Finanzierung von Startups, sondern auch in der Gründung neuer Fonds und der Erhöhung des verfügbaren Kapitals:
- Der neue Fonds Touring Capital, gegründet von ehemaligen Mitarbeitern des SoftBank Vision Funds und Microsoft M12, hat die Schlussfinanzierung in Höhe von 330 Millionen US-Dollar bekannt gegeben. Der Fonds wird sich auf das frühe Wachstum und auf Software mit AI-Elementen konzentrieren. Die Überzeichnung des ersten Touring-Capital-Fonds zeigt, dass das Interesse der LP (Limited Partners) an Venture-Strategien, insbesondere die auf künstliche Intelligenz und B2B-Services ausgerichteten, anhält.
- Sanofi Ventures, der Corporate Venture-Bereich des Pharma-Riesen Sanofi, hat zusätzlich 625 Millionen US-Dollar von der Muttergesellschaft erhalten. Damit steigt das gesamte verwaltete Vermögen von Sanofi Ventures auf 1,4 Milliarden US-Dollar. Neues Kapital wird in die Unterstützung von Biotechnologie- und digitalen Gesundheitsstartups fließen – von der Seed-Phase bis zu Pre-IPO-Runden. Vor dem Hintergrund der Vorsicht traditioneller Venture-Fonds im Biotech-Bereich treten Sanofi und andere große Pharmaunternehmen zunehmend als Hauptinvestoren in Runden auf und füllen damit die Finanzierungslücke und erhalten frühzeitigen Zugang zu bahnbrechenden Technologien für ihre F&E.
- Besonders im Bereich des Private Equity gibt es große Fondsbewegungen: So hat die amerikanische PE-Firma Ridgemont Equity Partners die Schließung eines neuen Fonds in Höhe von 3,975 Milliarden US-Dollar bekannt gegeben (über dem Zielvolumen). Darüber hinaus sammeln die Investmentfirmen Stonepeak und KKR mehrere Milliarden Mittel für Fonds, die sich auf Infrastruktur und neue Märkte in Asien konzentrieren. Diese Fälle zeigen, dass trotz der Turbulenzen der letzten Jahre institutionelle Investoren bereit sind, signifikante Mittel in langfristige Fonds zu investieren und somit die „Pulverkammer“ für zukünftige Geschäfte zu schaffen und die Liquidität auf den Venture- und PE-Märkten zu unterstützen.
Mergers & Acquisitions: große Deals der Woche
Der M&A-Markt hat sich ebenfalls belebt – mehrere große Unternehmen haben den Erwerb vielversprechender Startups angekündigt, um neue Technologien und Produkte zu integrieren:
- OpenAI hat einen ihrer größten Deals abgeschlossen, indem sie das Startup Statsig für etwa 1,1 Milliarden US-Dollar (in Form eines Aktientauschs) erworben hat. Statsig ist Entwickler einer Plattform für A/B-Tests und Produktanalysen, der Gründer Vijey Raji wird neuer CTO des Anwendungsbereichs von OpenAI. Die Transaktion soll die Entwicklung neuer Funktionen innerhalb des ChatGPT-Ökosystems und anderer OpenAI-Anwendungen beschleunigen und zeigt die Bereitschaft des Unternehmens, in die Erweiterung seiner Fähigkeiten durch Übernahmen zu investieren.
- Workday, ein führender Anbieter von Unternehmenssoftware, hat die Übernahme des schwedischen Startups Sana Labs für 1,1 Milliarden US-Dollar bekannt gegeben. Sana spezialisiert sich auf eine AI-Plattform für Lern- und Wissensmanagement. Die Integration der Lösungen von Sana wird Workday ermöglichen, seine Produkte im Bereich HRTech und Unternehmensschulungen durch KI erheblich zu stärken; dies ist bereits die dritte Übernahme eines AI-Startups durch Workday im letzten Jahr und demonstriert, wie große Akteure ihre AI-Kompetenzen durch Übernahmen ausbauen.
- Atlassian hat sich auf den Erwerb des New Yorker Startups The Browser Company (Schöpfer der Browser Arc und Atlas) für 610 Millionen US-Dollar in bar geeinigt. Dieser Schritt markiert den Eintritt von Atlassian in den Webbrowsermarkt: Das Unternehmen plant, auf der Grundlage der Produkte des Startups einen „Browser für die Arbeit“ der nächsten Generation zu entwickeln, der für cloud-basierte Anwendungen im Unternehmen optimiert und mit Atlassian-Tools integriert ist. Zuvor wurde berichtet, dass auch OpenAI und das Such-Startup Perplexity Interesse an The Browser Company gezeigt haben, was die hohe Konkurrenz unter den Technologiegiganten um vielversprechende Teams im Bereich AI-orientierter Browser widerspiegelt.
Rückkehr der Aktivität auf dem IPO-Markt
Nach einer langen Pause zeigt der Markt für öffentliche Platzierungen von Technologieunternehmen Anzeichen einer Wiederbelebung. Mitte September fand das spektakuläre IPO des Ticket-Marktplatzes StubHub statt: Das Unternehmen gewann etwa 800 Millionen US-Dollar, indem es 34 Millionen Aktien zu 23,50 US-Dollar pro Aktie (in der Mitte des angegebenen Bereichs) verkaufte, was zu einer Bewertung von rund 8,6 Milliarden US-Dollar führte. Der Börsendebüt von StubHub an der New Yorker Börse war eines der größten Technologie-Listings des Jahres und der Höhepunkt langjähriger Vorbereitungen (das Startup hatte bereits 2021 einen Antrag eingereicht). Die ersten Handelsgeschäfte waren volatil und spiegelten die Vorsicht der Investoren wider, doch die Tatsache, dass die Platzierung erfolgreich war, zeigt, dass sich ein „IPO-Fenster“ für große Venture-Unternehmen öffnet.
Bemerkenswert ist, dass eine Woche zuvor mehrere andere Einhörner an die Börse gingen – insgesamt etwa sechs Unternehmen, einschließlich des schwedischen Fintech-Riesen Klarna, sammelten gemeinsam über 4 Milliarden US-Dollar. Dies machte diese Woche zur meistbeschäftigten IPO-Woche auf dem amerikanischen Markt seit 2021. Experten weisen darauf hin, dass der Appetit auf neue Platzierungen allmählich zurückkehrt: Nach StubHub werden IPOs weiterer bekannter Startups aus der Liste der „Einhörner“ erwartet. Zu den möglichen Kandidaten für den öffentlichen Markt zählen die Online-Bank Chime, das soziale Netzwerk Reddit, die israelische Fintech-Plattform eToro und der Cloud-Anbieter für AI-Berechnungen CoreWeave – ihr Markteintritt könnte Ende 2025 oder 2026 stattfinden, sofern sich die Marktentwicklung positiv gestaltet. So zeigt der Venture-Markt zum Abschluss des dritten Quartals einen ausgewogenen Aufschwung: Investoren finanzieren wieder aktiv bahnbrechende Unternehmen, und die Liquiditätsfenster für Kapitalabflüsse beginnen sich zu öffnen, was eine Belebung im nächsten Jahr verspricht.