
Globale Nachrichten aus der Öl- und Gasindustrie sowie dem Energiesektor am Mittwoch, den 28. Januar 2026: Öl und Gas, Elektrizität, Erneuerbare Energien, Kohle, Raffinerien und wichtige Trends im weltweiten Energiesektor für Investoren und Marktteilnehmer.
Ölpreise und Marktbedingungen
Die weltweiten Ölpreise zeigen moderate Schwankungen aufgrund gemischter Faktoren. Am Morgen des 28. Januar 2026 wird Nordseeöl Brent um 65 $ pro Barrel gehandelt, was leicht unter dem Niveau zu Beginn der Woche liegt. Investoren und Marktteilnehmer im Ölsektor beobachten aufmerksam die Wiederherstellung der Lieferungen aus Kasachstan: Nach Abschluss der Reparaturarbeiten am Terminal des Kaspischen Pipeline-Konsortiums kehrt der kasachische Ölexport wieder zur vollen Kapazität zurück. Die Nachricht über die schrittweise Wiederaufnahme der Produktion im Tengiz-Feld hat die Befürchtungen über ein Angebotsdefizit verringert, was den Druck auf die Ölpreise verringert hat.
Gleichzeitig beeinflusst die Geopolitik weiterhin den Markt. Neue US-Sanktionen gegen den Iran haben kurzfristig die Preise nach oben gedrückt, doch dieser Effekt wurde durch Nachrichten über ein wachsendes Angebot anderer Produzenten neutralisiert. Dabei passen sich Ölunternehmen und Brennstoffunternehmen an die neuen Bedingungen an: Die OPEC+-Staaten halten das Produktionsniveau stabil und balancieren den Markt.
Es sind Änderungen in der Nachfrage-Struktur zu verzeichnen: Indien hat einen Rückgang der Ölimporte aus Russland um 28 % gemeldet und ist bereit, diesen weiter zu senken und die Rohstoffquellen zu diversifizieren. Dies ist ein Signal für die Umstrukturierung der Handelsströme – russisch verarbeitete Ölprodukte gelangen weiterhin über Drittstaaten auf die Weltmärkte, doch der Anteil Russlands an den weltweiten Öl-Lieferungen sinkt infolge des Sanktionsdrucks. Investoren erwarten, dass bei fehlendem globalem Rückgang die Nachfrage nach Öl relativ stabil bleibt.
Gasmarkt unter dem Einfluss des Winters
Zu Beginn des Jahres 2026 zeigt der Gasmarkt eine steigende Volatilität aufgrund von außergewöhnlich kaltem Wetter. Der sogenannte „Ostwind“ aus der Arktis ist nach Europa zurückgekehrt und hat zu einem sprunghaften Anstieg der Nachfrage nach Gas für die Heizungsversorgung geführt. In den letzten Tagen sind die Preise für Erdgas in der EU erheblich gestiegen: Die Preisschilder am TTF-Hub stiegen von 450 $ auf 500 $ pro tausend Kubikmeter, und auf den regionalen Märkten Nordeuropas überstiegen die Preise kurzfristig 600 $. Beispielsweise stieg der Gaspreis in Finnland auf 680 $ pro tausend Kubikmeter, was die angespannte Balance zwischen Angebot und Nachfrage verdeutlicht.
Europäische Energieunternehmen entnehmen aktiv Gas aus den Speichern: Die Gesamtfüllung der europäischen Erdgasspeicher liegt bei etwa 46 %, in einigen Ländern bereits bei 30–40 % (in Deutschland etwa 38 %, in den Niederlanden 32 %). Ein solches Füllniveau bis Ende Januar gibt den Marktteilnehmern Anlass zur Sorge, da noch mehrere Monate der Heizperiode vor uns liegen. Sollten die strengen Fröste im Februar und März anhalten, könnte Europa mit einem Treibstoffmangel konfrontiert werden.
Die hohe Nachfrage nach LNG und der stabile Import von Erdgas aus Norwegen halten bisher die Energiesysteme Europas von einem Mangel ab. Die Situation wird dadurch verschärft, dass Russland nahezu aufgehört hat, Gas in die EU über Pipelines zu liefern: Nach der Einstellung der meisten Routen zwischen 2022 und 2024 ist der Anteil russischen Gases in Europa minimal. Gleichzeitig verzeichnet Gazprom einen Rekordverbrauch von Gas innerhalb Russlands – angesichts der extremen Kälte hat das Unternehmen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen den historischen Höchststand der täglichen Lieferungen auf den Inlandsmarkt (bis zu etwa 1839 Millionen Kubikmeter am 25. Januar) erreicht. Dies bedeutet, dass die Exportsmöglichkeiten Russlands durch die inländische Nachfrage begrenzt sind.
In den USA sind ebenfalls außergewöhnliche Kälteschübe zu beobachten, die zu Produktionsausfällen bei Erdgas führen. Berichten zufolge frieren Bohrlöcher in einigen Feldern ein, was zu einem Rückgang der täglichen Förderung und einem Preisanstieg auf dem amerikanischen Erdgasmarkt führt.
Energiemärkte und Wetterkatastrophen
Extreme Wetterbedingungen stellen die Energiesysteme in verschiedenen Regionen der Welt auf die Probe. In den Vereinigten Staaten führte ein heftiger Schneesturm Ende Januar zu Stromausfällen: Über 1 Million Verbraucher blieben mitten im Unwetter ohne Strom, und selbst zwei Tage später waren etwa 500.000 Haushalte weiterhin ohne Elektrizität. Die Elektrizitätsunternehmen und die Behörden sehen sich gezwungen, Krisenmaßnahmen zu ergreifen – beispielsweise werden einigen Industrieunternehmen im Osten der USA Entschädigungen für temporäre Einsparungen des Energieverbrauchs angeboten, um die Belastung des Netzes zu verringern und großflächige Blackouts zu vermeiden.
In Europa bringt der Winter ebenfalls Probleme mit sich: Starke Schneefälle und Winde führten zu Stromausfällen in Skandinavien und im Baltikum. Beispielsweise blieben zu Beginn des Jahres in Finnland Zehntausende von Haushalten mehrere Tage ohne Strom. Energieunternehmen mobilisieren Notfallteams und Backup-Kapazitäten, um die Stromversorgung so schnell wie möglich wiederherzustellen. Die Situation wird durch die hohe Nachfrage nach Strom für die Heizung kompliziert: In kalten Nächten erreichen die Belastungen der Energiesysteme saisonale Rekorde. Um einem Kapazitätsengpass vorzubeugen, bringen die Behörden einiger EU-Länder sogar Kohlekraftwerke als Backup wieder ans Netz, trotz der ökologischen Konsequenzen.
Diese Ereignisse verdeutlichen die Anfälligkeit der Energieinfrastruktur angesichts klimatischer Anomalien. Elektrizität wird zu einer kritischen Ressource, und die Zuverlässigkeit der Netze rückt in den Vordergrund. In vielen Ländern wird über Investitionen in die Modernisierung der Netze und den Aufbau von Backup-Erzeugungskapazitäten diskutiert. Auch das Interesse an dezentraler Energieerzeugung und Energiespeicherung wächst, um die Abhängigkeit von zentralen Netzen in Notfällen zu reduzieren.
Verschärfung der Sanktionen und Energiepolitik der EU
Die Europäische Union verfolgt weiterhin den Kurs, die vollständige Abhängigkeit von russischen Energieträgern abzubauen, indem sie neue Sanktionen und gesetzliche Beschränkungen einführt. Die Europäische Kommission hat offiziell angekündigt, bis Ende 2026 ein vollständiges Importverbot für Öl aus Russland vorzuschlagen. In wenigen Monaten könnte somit ein Embargo in der EU in Kraft treten, das die letzten Lieferkanäle russischen Öls umfasst. Gleichzeitig bereitet man sich auf den Verzicht auf russischen Brennstoff für Kernkraftwerke vor – obwohl die genauen Fristen für diesen Schritt noch nicht festgelegt sind, ist das Bestreben von Brüssel offensichtlich, alle russischen Ressourcen aus dem Energiemix auszuschließen.
Zudem haben die EU-Staaten den vollständigen Verzicht auf russisches Gas bis 2027 endgültig beschlossen und das Sanktionsregime verschärft.
- Öl und Gas: Ein vollständiger Verzicht auf russisches Öl ist bis Ende 2026 geplant; die LNG-Importe werden bis Ende 2026 eingestellt, die Importe von Pipelinegas bis Herbst 2027.
- Strafen: Verstöße gegen die Sanktionen werden mit Strafen von bis zu 300 % des Transaktionsbetrags belegt.
- Preiskontrollen: Die Preisobergrenze für russisches Öl wurde ab Februar 2026 auf 44,1 $ pro Barrel gesenkt.
Diese Maßnahmen belegen Europas Entschlossenheit, die energetische Entkopplung von Russland zu beschleunigen. Europäische Raffinerien haben ihre Logistik auf alternative Rohstoffquellen umgestellt – die EU erhöht jetzt die Ölkäufe im Nahen Osten und in Afrika und fördert die Lieferungen von Ölprodukten aus Indien und anderen Ländern. Im Gassektor setzt Europa auf eine Erhöhung der LNG-Importe aus den USA, Katar und anderen Partnerländern sowie auf die Entwicklung eigener erneuerbarer Energiequellen zur Ablösung von Gas. Obwohl einige Staaten (zum Beispiel die Slowakei) besorgt über mögliche Engpässe sind und sogar einige Schritte in Frage stellen, bleibt der gesamteuropäische Kurs unverändert – auf eine langfristige Umstrukturierung des Energiemarktes.
Umstrukturierung des Energiemarkthandels und neue Allianzen
Geopolitische Verschiebungen haben zu einer Neuausrichtung der globalen Lieferketten für Öl, Gas und andere Energieträger geführt. Neue Partnerschaften zwischen Ländern entstehen. Einige Beispiele dieser Veränderungen:
- Kanada – Indien: Die Länder erweitern den Handel mit Öl und Gas. Kanada wird den Export von Rohöl und LNG nach Indien erhöhen, während Indien die Rückführungen von Ölprodukten nach Kanada steigern wird.
- Russland – China: Russland beabsichtigt, den Export von Öl, Erdgas, Kohle und Elektrizität nach China zu steigern, um den Verlust des europäischen Marktes auszugleichen.
- Europa und neue Partner: Die EU diversifiziert den Import von Energieträgern. Die EU erhöht die Gasimporte aus Norwegen und Algerien sowie die LNG-Einkäufe aus den USA und Katar, um russische Brennstoffe zu ersetzen.
Bemerkenswert ist, dass viele der neuen Vereinbarungen nicht nur die Zusammenarbeit im Bereich traditioneller Energieressourcen, sondern auch in modernen Technologien umfassen – Wasserstoffenergie, Biokraftstoffe, Energiespeichersysteme und mehr. Dies zeigt den Wunsch der Marktteilnehmer, in die Zukunft zu blicken und eine Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung der Energiebranche zu schaffen.
Erneuerbare Energien und der globale Energieschwenk
Trotz der Turbulenzen auf den Märkten für fossile Brennstoffe setzt die Welt weiterhin auf die Entwicklung erneuerbarer Energiequellen. Auf der Januarsitzung von IRENA in Abu Dhabi bestätigten globale Führungspersönlichkeiten ihr Engagement für die Beschleunigung des Energieschwenks. Sogar traditionelle Öl- und Gasanbauländer kündigen große Investitionen in Solar- und Windenergie an. Europa erweitert im Rahmen des Plans REPowerEU auch die Kapazitäten der erneuerbaren Energien, um Gas zu ersetzen und Klimaziele zu erreichen.
Führende Energiekonzerne passen sich dem neuen Trend an. Große Ölgesellschaften lenken einen Teil ihrer Übergewinne aus Öl und Gas in grüne Projekte – von Windparks bis zur Produktion von Wasserstoff. Brennstoffgiganten erklären Ziele der Kohlenstoffneutralität bis 2050 und erweitern ihre Präsenz in den Bereichen erneuerbare Energien, Bioenergie und Energiespeichersysteme.
Dennoch steht der Energieschwenk vor Herausforderungen. In einigen Ländern erschwert ein politischer Kurswechsel (zum Beispiel in den USA) vorübergehend die Unterstützung für saubere Energien, doch das Interesse von Unternehmen und Regionen an erneuerbaren Energien bleibt bestehen.